Adam McKay hat ein drastisches Bild geprägt: Wir verhalten uns in cder Klimakatastrophe wie eine Gruppe von Delfinen, die massenhaft stranden, weil ein Parasit ihr Echolot zerstört hat. Unser gesellschaftliches Orientierungssystem ist gestört. Wenn monströse Hitzewellen oder Unwetter auftreten, behandeln wir sie als isolierte „Freak-Unfälle“ – losgelöst von der rasend schnellen Umwälzung unseres Erdsystems. Und wir belügen uns und unsere Mitmenschen laufend selber. Um diese Lügen geht es.
Die erste Lüge: Wir haben noch Zeit
Wenn unser gesellschaftlicher Kompass also dauerhaft gestört ist – welche beruhigende Geschichte erzählen wir uns dann eigentlich selbst, so dass wir trotzdem einigermaßen ruhig schlafen können?
Die gefährlichste Erzählung unserer Zeit ist längst nicht mehr die plumpe Leugnung des Klimawandels. Die hartgesottenen Leugner sind eine schrumpfende Minderheit. Die wirklich zerstörerische Lüge kommt heute aus der vermeintlich „vernünftigen Mitte“. Sie heißt: „Wir haben noch Zeit.“
Die zweite Lüge: Es ist zu spät
Wenn die Illusion vom „Wir haben Zeit“ langsam bröckelt, wartet bereits die nächste Falle auf uns: Die zweite Lüge. Sie lautet: „Es ist eh schon zu spät, wir können gar nichts mehr tun.“
Das Entlarvende daran: Beide Lügen – „Wir haben Zeit“ und „Es ist zu spät“ – führen zum exakt selben Ergebnis. Wir verharren in Schockstarre. Wir tun nichts.
Spätestens jetzt ist es höchste Zeit für ein „Trotzdem“. Echtes Handeln und begründete Zuversicht beginnen nicht mit schöngefärbten Erlösergeschichten und erst recht nicht mit müder Resignation. Sie beginnen dort, wo wir die kognitive Dissonanz aushalten und uns ehrlich machen: Ja, wir werden einige Schäden nicht mehr verhindern können. Das Zeitfenster schließt sich. Aber jedes Zehntelgrad entscheidet über Lebensgrundlagen. Es ist eben nicht zu spät, das Schlimmste zu verhindern.
Links:
Text von Adam McCay in Current Affairs
Klimavoracht. Die Programmauswertung
Podcast „Natürliche Ausrede“ mit Christian Stöcker
Risikostudie der Universität Exceter
Text von Ingmar Rentzhog in „We Don‘t Have Time“











