Klartext 2026 - ein Kompass gegen die Nebelkerzen der Fossilfreunde
Wissen statt Wanken: Wie wir in (inneren und äußeren) Diskussionen zum Klimawandel die Orientierung behalten.
Schon mal von PLURV gehört? Das ist ein Muster, dem wir alle immer wieder ausgesetzt sind.
Die PLURV-Methode beschreibt nämlich die fünf häufigsten Techniken der Wissenschaftsleugnung:
P – Pseudo-Experten: Personen mit Titeln, aber ohne Expertise im Fachbereich.
L – Logikfehler: Zum Beispiel die Behauptung, weil es früher natürliche Zyklen gab, könne der jetzige Klimawandel nicht menschengemacht sein.
U – Unerfüllbare Erwartungen: Die Forderung nach 100%iger Präzision in Klimamodellen, um deren Güte insgesamt abzuwerten.
R – Rosinenpickerei: Einzelne kühlere Jahre oder Datenpunkte nutzen, um den langfristigen Trend zu leugnen.
V – Verschwörungsmythen: Behauptungen über „gelenkte“ Wissenschaft oder Manipulationen.
2003 haben wir, meine Frau und ich und zwei Labrador-Hündinnen, uns einen Wohnmobil-Urlaub in Norwegen gegönnt. Wir waren angenehm überrascht, dass es im hohen Norden gar nicht so schrecklich kalt war, sondern sogar angenehm sommerlich warm. Von daheim bekamen wir Nachrichten von einer unerträglichen Sommerhitze, von verdorrtem Rasen und schlaflosen Nächten. Später konnte man hören, dass das Jahr das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen sei, und so weiter. An diese Nachrichten haben wir uns gewöhnt, sie sind inzwischen inflationär und wollen gar nicht mehr gehört werden. Die Nachrichten wollen? Nein, natürlich nicht. Jemand will, dass wir diese Nachrichten nicht mehr gerne hören, dass wir weg hören, dass wir sie nicht mehr hören können.
Und wenn dann doch noch einmal einer der seltenen Unfälle passiert, dass jemand im kleinen Kreis meint, die Wissenschaft zu den Klimathemen sei ja alles andere als sicher, tja dann… Was passiert dann? Betretenes Schweigen, hier und da ein Kopfnicken, schüchterner, aber hilfloser Widerspruch, das Thema hat derzeit wahrlich keine gute Konjunktur. Warum auch? Es ist unangenehm, es verlangt etwas von uns, es stört, es soll angeblich den wirtschaftlichen Aufschwung behindern, und außerdem sind die Amis jetzt ja auch wieder absolut davon abgerückt. Und das liegt sicher nicht nur an Donald Trump.
Kommt dir das bekannt vor? Hättest du in solchen Momenten auch gerne einen kleinen Werkzeugkasten parat, der „wirklich“ hilft und den aktuellen Stand des Klimawissens benennt?
Hier ist er, dieser Werkzeugkasten. Im Folgenden will ich die allerwichtigsten Fakten, Zusammenhänge und Erkenntnisse zusammenfassen, so dass du sie einstecken, mitnehmen und beim nächsten Gespräch auspacken kannst.
Nebenbei gesagt: Es geht natürlich nur am Rande um das Gewinnen in diesen Diskussionen. Es geht eigentlich um das Gewinnen einer lebenswerten Zukunft auf diesem Planeten. Für unsere Kinder, unsere Enkelkinder und alle mit uns lebenden Kreaturen. Nicht mehr und nicht weniger.
Hier also der aktuelle Stand: Ein System am Limit
Der wissenschaftliche Konsens ist heute so unumstößlich, dass jede begründete Skepsis längst ausgeräumt ist. Die Fakten für das Jahr 2026 sprechen eine deutliche Sprache:
Atmosphärische Rekorde: Die Konzentrationen von CO2 stiegen bis 2025 ungebremst weiter an. Wir liegen heute 53 % über dem vorindustriellen Niveau.
Ozean-Fieber: Unsere Meere nehmen 90 % der überschüssigen Energie auf. Der Wärmeinhalt der Ozeane erreichte 2024 einen historischen Rekord und stieg 2025 weiter an. Allein im letzten Jahr nahmen die oberen 2000 Meter etwa zweihundertmal so viel zusätzliche Wärme auf wie wir weltweit in einem Jahr Strom produzieren. Das ist eine ungeheuerliche Menge.
Präzise Vorhersagen: Retrospektive Vergleiche zeigen, dass frühere Klimamodelle die Erwärmung oft sogar unterschätzt haben. Die Wissenschaft war also nicht „alarmistisch“, sondern eher vorsichtig.
Die Güte der Modelle: CMIP7 und die Echtzeit-Forschung
Computermodelle, mit denen man die weitere Entwicklung des Klimas prognostizieren kann, werden selber ständig weiter entwickelt, aktuell sind wir bei der siebten Generation, diese heißt dementsprechend CMIP7 (Coupled Model Intercomparison Project).
Ich arbeite gern mit einem Klimasimulator, nämlich mit En-ROADS von der Firma Climate Interactive. Dieses Instrument verwendet unter der Motorhaube auch die modernsten Modelle, und immer wieder wird Kritik an diesen Modellen laut. Die Klimamodelle würden ja nicht mit den tatsächlichen Messungen übereinstimmen, und außerdem könne man ja die Zukunft eines so komplexen Systems nicht prognostizieren.
Das ist falsch, die Modelle sind auch dank der unglaublichen Entwicklung der digitalen Möglichkeiten inzwischen äußerst verlässlich, sie haben die Entwicklung höchstens öfter mal zu moderat prognostiziert. Die tatsächliche Entwicklung war also an verschiedenen Stellen erschreckender als vorhergesagt.Ein echter Wendepunkt ist die Attributionsforschung. Sie untersucht und beschreibt, wie sehr der Klimawandel am jeweiligen Wetter beteiligt ist. Wir können heute fast in Echtzeit nachweisen, wie viel wahrscheinlicher eine Hitzewelle durch den menschlichen Einfluss geworden ist. Für die Hitzewelle im Westen der USA im Juni 2025 wurde so ein Anstieg der Wahrscheinlichkeit um den Faktor zwei bis fünf belegt.
Alarmzeichen: Die Kipppunkte
Wir wissen heute zuverlässig, dass wir uns gefährlichen Schwellenwerten nähern:
Korallenriffe: Der Kipppunkt für tropische Korallen (1,2 Grad Celsius) wurde wahrscheinlich bereits überschritten.
AMOC, Atlantische Meridionale Umwälzströmung, das sind die Mechanismen rund um den Golfstrom : Neue Analysen (September 2025) zeigen ein Risiko von bis zu 70 % für einen Zusammenbruch bei hohen Emissionen – weit höher als früher angenommen.
Eisschilde: In der Westantarktis ist ein langfristiger Kollaps bei anhaltend hohen Emissionen inzwischen nahezu sicher.
Die ökonomische Quittung: Versicherungen und Finanzen
Die Wirtschaftswelt behandelt den Klimawandel 2026 nicht mehr als PR-Thema, sondern als materielles Finanzrisiko:
Versicherungen: 2025 lagen die versicherten Schäden weltweit das fünfte Jahr in Folge über der 100-Milliarden-Dollar-Marke. Beiträge für Wohngebäude steigen bereits spürbar an.
Immobilien: In Hochrisikozonen verlieren Immobilien massiv an Wert, da sie unversicherbar und damit oft auch nicht mehr finanzierbar werden.
Bankenaufsicht: Institutionen wie die BaFin verpflichten Banken nun verbindlich, physische und transitorische Risiken in ihren Stresstests zu berücksichtigen.
PLURV und die Antworten
Kommen wir also zurück zum beliebten Muster der Wissenschaft-Skeptiker und picken wir uns ein paar PLURV Beispiele heraus.
Der Spruch: „Klimawandel gab es schon immer, das ist alles natürlich.“
Deine Antwort: „Stimmt, aber nie so schnell. Wir haben das CO2 seit 1750 um 53 % erhöht. Natürliche Zyklen erklären diesen rasanten Anstieg nicht, und die Thermodynamik dahinter ist seit Jahrzehnten gemessen und belegt.“
PLURV-Fehler: Logikfehler (Falsche Analogie – nur weil es früher natürliche Ursachen gab, muss das heute nicht auch so sein).
Der Spruch: „Die Modelle sind doch ungenau und liegen ständig daneben.“
Deine Antwort: „Im Gegenteil. Retrospektive Vergleiche zeigen, dass die Modelle der letzten 30 Jahre verblüffend präzise waren und die heutige Beschleunigung oft sogar unterschätzt haben. Wissenschaft korrigiert sich mit neuen Daten selbst – das ist Stärke, nicht Schwäche.“
PLURV-Fehler: Unerfüllbare Erwartungen (Modelle müssen nicht 100 % perfekt sein, um zuverlässige Trends zu liefern).
Der Spruch: „Warum sollen wir uns anstrengen, solange China jede Woche Kohlekraftwerke baut?“
Deine Antwort: „China baut Erneuerbare derzeit doppelt so schnell aus wie der Rest der Welt zusammen. In der ersten Jahreshälfte 2025 sanken Chinas Emissionen bereits durch diesen Ausbau. Wer bei dieser industriellen Revolution nicht mitzieht, verliert nicht nur das Klima, sondern seine Wirtschaftskraft von morgen.“
PLURV-Fehler: Rosinenpickerei (Man sieht nur die Kohle, ignoriert aber den massiven grünen Wandel).
Brückenschlag: Raus aus dem Schatten, rein in die Tat
Wir müssen uns ehrlich machen: Das Thema Klima ist in den letzten Monaten völlig zu Unrecht in den Hintergrund gerutscht. Während wir uns mit den zweifellos drängenden Sorgen des Alltags beschäftigen, findet im Windschatten dieser Ablenkung ein massiver globaler Backlash statt. Es ist kein Zufall, dass der Widerstand gegen den Klimaschutz oft Hand in Hand mit einem allgemeinen gesellschaftlichen Rechtsruck geht. Überall auf der Welt – von Washington bis in unsere europäischen Parlamente – versuchen Kräfte, die wissenschaftliche Realität zu delegitimieren, um den Status quo der fossilen Ära mit aller Gewalt zu zementieren.
Herrschaften: Es reicht!
Normalerweise fängt man einen persönlich gemeinten Brief an mit „Lieber Anton“, oder mit „Liebe Frau Schulze“. Das kann ich aber hier nicht, wenn ich an euch schreibe. An euch, die CEOs oder Lobbyisten der Fossilbranche. An euch, die ihr euer vieles Geld damit verdient, dafür zu sorgen, dass ständig mehr Kohle, Gas …
Wissen ist in dieser Situation ein hilfreiches Schutzschild und absolut notwendig, um nicht auf die „Architekten des Zweifels“ hereinzufallen. Aber Wissen allein reicht nicht mehr aus; es kann uns sogar lähmen, wenn es nur konsumiert wird. Die wahre Medizin gegen die grassierende Klimaangst ist das Handeln. Nur durch aktives Tun gewinnen wir das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück. Wenn wir anfangen, die Hebel in unserem eigenen Umfeld umzulegen, verwandelt sich die Ohnmacht in konstruktive Energie. Es geht darum, nicht nur die Fakten zu kennen, sondern selbst zum Fakten-Schaffer zu werden – durch Engagement in Energiegenossenschaften, politische Teilhabe oder die konsequente Neuausrichtung unseres Lebensstils.
Abschluss: Unsere Generation in der Pflicht
Das bringt mich zum entscheidenden Punkt der Verantwortung. Manche von uns stehen ja schon im mittleren Lebensalter oder sind sogar schon darüber hinaus, wir dürfen uns nicht in die enttäuschte Passivität zurückziehen. Wir sind die Generation, in deren Lebensspanne der Großteil der Emissionen verursacht wurde. Aber wir sind auch die Generation, die wie keine andere über Einfluss, finanzielle Mittel und wertvolle Kontakte verfügt. Wir werden gehört – in den Vorständen, in den Gemeinderäten und an den Wahlurnen.
Echte Generationen-Solidarität bedeutet nicht, den Jungen beim Demonstrieren zuzuschauen und sie gleichzeitig für ihren Konsum zu kritisieren. Es bedeutet, unsere Ressourcen jetzt zu nutzen, um die systemischen Hebel umzulegen.
Warum dein Engagement zählt
Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt noch etwas bringt, sich anzustrengen. Während Konzerne ungebremst Profite über Nachhaltigkeit stellen und politische Gipfel oft mehr heiße Luft als echte Veränderungen produzieren, fühlt es sich absurd an, im Supermarkt die Gurke ohne Plastikverpackung zu wählen oder auf den nä…
Lass uns beim nächsten Familienfest oder im Kollegenkreis nicht schweigen, wenn die alten fossilen Märchen erzählt werden. Wir schulden es unseren Enkelkindern, dass wir 2026 nicht einfach nur „Bescheid wussten“, sondern dass wir die mutigen Gestalter eines Wandels waren, der keinen Aufschub mehr duldet.
Was wirst du tun? Lass es mich in den Kommentaren wissen – jeder Beitrag zählt!
Links & Quellen für Neugierige:




Jeder verfügt in der Gesamtansicht über sehr viele, wenn auch oft nur kleine Stellschrauben, für dieses wichtige Thema einen Beitrag zu leisten. Deshalb ist es so wichtig, dass viele Leute sich engagieren. Meine Erfahrungen belegen, dass dieses Umdenken gar nicht mit Verzicht quittiert werden muss. Im Gegenteil: seit wir unsere Ernährung umgestellt haben (viel weniger Alkohol und Fleisch/Wurst), kurze Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß gehen, für längeren Strecken die Bahn nutzen ( bietet u.a. die Gelegenheit, mal ein Buch zu lesen…)…, wird unser Leben jeden Tag, manchmal auch unmerklich, bereichert.