Peter Fuermetz‘ Klima-Kolumne
Klimakolumne
#44 Biodiversität und Klimaschutz
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#44 Biodiversität und Klimaschutz

Warum wir Klima und biologische Vielfalt gemeinsam denken müssen – eine persönliche Spurensuche vom Hochsitz bis zum Gewerbegebiet.

Klimaschutz ist der beste Naturschutz.

Die Erderwärmung ist eine der drängendsten Bedrohungen der Menschheitsgeschichte. Nichts an den nachfolgenden Überlegungen soll den dringenden Bedarf an Dekarbonisierung, CO2-Einsparung und dem Ausbau erneuerbaren Energien infrage stellen. Wer die Notwendigkeit des Klimaschutzes relativiert, ignoriert den gesicherten Stand der Wissenschaft. Das wichtigste Motto heißt deshalb: Klimaschutz ist der beste Naturschutz – denn ohne ein stabiles Weltklima werden zahllose Arten und Ökosysteme schlicht nicht überleben.

Die Frage ist also keineswegs, ob wir das Klima schützen müssen, sondern wie wir es tun, ohne dabei das fundamentale Lebenserhaltungssystem unseres Planeten zu beschädigen.

Weltklimarat (IPCC) und Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sprechen längst von einer „Zwillingskrise“. Beide Katastrophen speisen sich aus derselben Quelle – unserer übermäßigen Inanspruchnahme der Natur – und sie steuern sich wechselseitig. Klimawandel setzt Lebensräume unter Stress; sterben diese Lebensräume jedoch ab, verlieren wir unsere wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken. Die Wälder, Moore und Ozeane absorbieren bisher über die Hälfte der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen. Zerstören wir sie durch technokratische Fehlplanungen, verliert das Klima seine stärkste Bremse.


Fakten und Zahlen:

  • 1 bis 2 Millionen bedrohte Arten:

    Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) gibt offiziell rund 1 Million bedrohte Tier- und Pflanzenarten an (von geschätzten 8 Millionen Arten weltweit). Evolutionsbiologe Prof. Matthias Glaubrecht verweist auf europäische Hochrechnungen (u. a. Axel Hochkirch et al.), wonach bei Berücksichtigung der immensen Zahl unbeschriebener Wirbelloser (Insekten, Mollusken) weltweit bis zu 2 Millionen Arten vom Aussterben bedroht sind.

  • Radikaler Schwund der Säugetier-Biomasse (98 % vs. 2 %):

    Nach den aktuellen Biomassestudien (Greenspoon, Milo et al. 2023/2025), auf die sich Glaubrecht stützt, entfallen heute rund 95 bis 98 % der Biomasse aller Landsäugetiere auf den Menschen (~35 %) und seine Nutztiere (~63 %). Auf sämtliche Wildtiere an Land verbleiben lediglich mickrige 2 bis 5 %.

  • Biomasseverlust bei Insekten (> 75 bis 80 %):

    Basiert auf der Krefelder Studie (Hallmann et al. 2017) und europäischen Langzeitdaten, die einen Rückgang der fliegenden Insektenbiomasse in Schutzgebieten Mitteleuropas um über 75–80 % über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren nachweisen.

  • Haupttreiber: Landnutzungsänderung vor Klimawandel:

    IPBES sowie neuere Metastudien (Keck et al. 2025 / WWF) bestätigen, dass Lebensraumverlust und Landnutzungsänderungen (Agrarintensivierung, Flächenfraß) der Treiber Nummer 1 für das Artensterben an Land sind. Der Klimawandel rangiert aktuell als Verstärker auf Platz 3, nimmt aber rasant an Fahrt auf.

  • Pufferfunktion der Natur (> 50 % CO2-Absorption):

    Landökosysteme und Ozeane binden zusammen über 50 % aller menschlichen CO2-Emissionen (Ozeane ca. 25–30 %, Wälder/Böden ca. 25–30 %)

  • Entwicklung des Naturkapitals (Dasgupta Review):

    Dasgupta belegt, dass das weltweite Naturkapital pro Kopf zwischen 1992 und 2014 um fast 40 % gesunken ist, während sich das produzierte Sachkapital verdoppelt hat. Humanity verbraucht aktuell rechnerisch 1,6 Erden pro Jahr.


Quellen:

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