Prima Klima - Februar 2026
Resignation wäre falsch. Weil es auch gute Nachrichten zum Klimawandel gibt. Viele.
Ich verarbeite ja regelmäßig viele Inputs rund um die Klimakrise und auch andere ökologische Entwicklungen. Die Gefahr dabei ist groß, sich von negativen Gefühlen wie Wut, Verzweiflung, Resignation oder auch Trauer auffressen zu lassen. Das wäre die Diagnose. Die Therapie heißt, sich immer wieder mit den vielen positiven und ermutigenden Nachrichten zu beschäftigen, die es eben auch gibt. Durch die Mechanik der Aufmerksamkeits-Ökonomie werden die „Aufreger“, die schlechten Nachrichten und Skandale, natürlich mehr geklickt, geteilt und damit auch mehr veröffentlicht. Grund genug also, wieder mal eine Runde durch die andere Seite der Landschaft zu drehen, durch diejenige des Lebens, des Gelingens und der Hoffnung.
Das ist ganz sicher keine Schönfärberei, so viel will ich allen Zynikern, Fatalisten und anderen Verzweifelten zurufen. Bleib dran, lies dir die folgenden guten Nachrichten durch, schau dir die Quellen genauer an, wenn du magst. Und wenn du die Good News ähnlich gut empfindest wie ich, dann erzähl sie doch bitte unbedingt weiter. Das ist wichtig - für alle.
1. Die Sonne stellt die Weichen: Der Solar-Tsunami
Der Solarboom ist bei den guten Nachrichten inzwischen natürlich immer mit dabei, zu Recht. Und dabei stoßen wir auf Zahlen, die so groß sind, dass unser Gehirn sie instinktiv als „abstrakt“ aussortiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) – jene Institution in Paris, die weltweit als die seriöseste Instanz für Energiedaten gilt – hat in ihrem aktuellen Bericht für den Jahresbeginn 2026 eine solche Zahl vorgelegt: Weltweit wurden im vergangenen Jahr über 800 Gigawatt an neuer Solarkapazität installiert.
Um diese Zahl für uns Laien greifbar zu machen: Das ist mehr als das Dreifache dessen, was noch im Jahr 2021 zugebaut wurde. Stell dir ein riesiges, globales Kraftwerk vor, das jede Sekunde wächst. In Ländern wie Indien, Brasilien und China werden mittlerweile Solarparks nicht nur aus Umweltgründen gebaut, sondern einfach weil es die billigste Form der Stromerzeugung der Menschheitsgeschichte ist. Laut IEA hat die Photovoltaik einen ökonomischen Kipppunkt erreicht, an dem sie Kohle und Gas rein preislich unterbietet.
Wir müssen verstehen, was das für unsere psychologische Resilienz bedeutet: Der Wandel ist keine moralische Bittstellerei mehr, er ist eine ökonomische Naturgewalt. Wenn Investoren ihr Geld lieber in Silizium als in Kohle stecken, weil die Rendite dort sicherer ist, dann gewinnt der Planet automatisch. Ich bin ja längst nicht sicher, ob diese ökonomischen Kriterien, ob auch der eingebaute Zwang zum Wachstum auf Dauer das richtige Rezept sind, ob diese Variante auf lange Sicht überhaupt aufgehen kann. Im Moment bin ich aber ganz froh um diese Entwicklung, die handfeste kaufmännische Gründe auf den Tisch legt, welche den Übergang zu fossilfreier Energieproduktion erzwingen werden.
#27 Nie wieder nicht richtig hinsehen
Vom Musiker zum Vollzeit-Aktivisten Interview mit Roland Vossebrecker von der Initiative Klimagerecht Leben. Hier als Podcast zum Anhören.
Das bedeutet nicht, dass wir uns zurücklehnen können, aber es zeigt, dass wir auf einem Fundament stehen, das weit stabiler ist, als wir oft glauben. Auch wenn sich die fossilen Kräfte vermutlich noch einige Zeit mit allen Mitteln kräftig wehren werden…
Quelle: IEA – Renewables 2025 Analysis
2. Die Nordsee: Europas neues grünes Kraftwerk
Während wir oft über nationale Alleingänge klagen, während einige globale Kräfte mit aller Kraft versuchen, die europäische Gemeinschaft zu spalten, hat sich Ende Januar 2026 ein Projekt manifestiert, das die Landkarte unserer Energieversorgung endgültig neu zeichnet. Neun europäische Anrainerstaaten haben im Rahmen des erweiterten „North Sea Power Hub Pact“ verbindlich beschlossen, die Nordsee zum größten vernetzten Kraftwerk der Welt auszubauen. Das Ziel: Eine installierte Leistung von 300 Gigawatt bis zum Jahr 2050.
Um diese Dimension zu begreifen: 300 Gigawatt entsprechen theoretisch der Leistung von 300 großen Atomkraftwerken. Für uns als VerbraucherInnen bedeutet das: In der Spitze könnte die Nordsee künftig mehr Strom liefern, als alle privaten Haushalte der gesamten Europäischen Union zusammengenommen gleichzeitig verbrauchen.
Das Revolutionäre an diesem Abkommen sind die sogenannten „Energie-Inseln“. Das sind künstliche Plattformen im Meer, die den Windstrom sammeln, bündeln und flexibel per Unterseekabel dorthin schicken, wo er gerade gebraucht wird. Ein Teil dieses Stroms wird zudem direkt auf See genutzt, um grünen Wasserstoff für die Industrie herzustellen. Dieses Projekt ist ein monumentaler Beweis für europäische Zusammenarbeit. Wenn wir unsere Netze so eng verknüpfen, schaffen wir eine Sicherheit, die uns unabhängig von fossilen Erpressungen macht. Auch hier gilt natürlich wieder, dass Risiken und Unwägbarkeiten überall lauern. Trotzdem erscheinen mir diese im Vergleich zu den Abhängigkeiten von fossilen Lieferanten aus Ost und West wesentlich überschaubarer. Die viel beschworene und herbeigesehnte Einheit Europas wird hier zumindest auf einem Teilsegment gelebt und weiterentwickelt.
Quelle: European Commission – Offshore Renewable Energy Strategy
3. Europas Abschied von der Kohle: Ein historischer Sieg der Statistik
Nochmal eine Nachricht aus der europäischen Energieproduktion. Die Daten der renommierten Denkfabrik Ember markieren für den Jahreswechsel 2025/2026 eine Zäsur: Erstmals haben Wind- und Solarkraftwerke in der EU im Jahresschnitt mehr Strom geliefert als alle Kohle- und Gaskraftwerke zusammen.
Der Anteil der Kohle am europäischen Strommix ist auf unter 10 % gefallen – ein Wert, der vor einem Jahrzehnt noch als völlig utopisch galt. Für uns bedeutet das: Das alte Narrativ, wir bräuchten fossile Brennstoffe als unverzichtbares „Rückgrat“, ist wissenschaftlich und praktisch widerlegt. Dank moderner Steuerung und rasant günstiger werdender Batteriespeicher (deren Kosten laut BloombergNEF weiterhin fallen) wird unser Netz sauberer, ohne instabil zu werden.
Dieser Erfolg zeigt, dass politische Steuerung – wie der EU Green Deal – tatsächlich Früchte tragen kann. Wenn wir uns der Ohnmacht hingeben, verleugnen wir die Tatsache, dass das Stromnetz in unseren Wohnzimmern heute bereits ein völlig anderes ist als noch vor fünf Jahren. Diese Transformation ist mühsam, aber sie ist im Gange und sie funktioniert, auch wenn sich das bei der aktuellen Politik in unserem Wirtschaftsministerium oft gar nicht so anfühlt.
Quelle: Ember – European Electricity Review 2026
4. Ein Schutzschild für die Weltmeere: Das Hochsee-Abkommen
Die Hochsee – jene riesigen Wasserflächen jenseits der 370-Kilometer-Zone – war über Jahrhunderte ein gesetzloser Raum. Doch im Februar 2026 feiern wir einen Sieg der Diplomatie: Das UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ) ist offiziell in Kraft getreten, nachdem die nötigen 60 Staaten den Vertrag ratifiziert haben.
Warum ist das für das Klima so entscheidend? Die Ozeane sind das Thermostat unseres Planeten; sie haben bisher rund 90 % der überschüssigen Wärme geschluckt, die wir verursacht haben. Doch nur ein gesundes Ökosystem kann diese Pufferfunktion erfüllen. Experten der High Seas Alliance betonen, dass wir mit diesem Vertrag nun endlich das völkerrechtliche Werkzeug haben, um 30 % der Weltmeere unter Schutz zu stellen.
Das ist durchaus so etwas wie ein Akt der globalen Selbstbeherrschung. In einer Zeit, in der wir oft den Eindruck haben, die Weltmächte könnten sich auf gar nichts mehr einigen, zeigt dieser Vertrag: Wenn es um die nackte Existenz geht, kann die Weltgemeinschaft trotzdem noch funktionieren. Zugegeben - die Voraussetzungen für dieses Abkommen wurden lange vor Trump geschaffen und vorbereitet. Trotzdem gibt das Abkommen der Natur den Raum, den sie braucht, um uns weiterhin vor den schlimmsten Folgen der Erwärmung zu schützen. Wenn wir es denn auch wirklich umsetzen - aber das gilt ja immer…
Quelle: High Seas Alliance – Treaty Status
Kurzmeldungen: Hoffnung im Detail
Das Ozonloch heilt – Ein Lehrstück in Geduld
Der neueste Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigt Anfang 2026: Die Ozonschicht erholt sich stetig. Die Schutzschicht über der Antarktis wird sich voraussichtlich bis 2066 vollständig regeneriert haben. Was wir hier sehen, ist das Ergebnis des Montreal-Protokolls von 1987. Es hat Jahrzehnte gedauert, aber die Natur antwortet auf unsere Disziplin. Für uns ist das die wichtigste Lektion überhaupt: Ökologische Kurskorrekturen brauchen Ausdauer, aber sie sind erfolgreich. Wenn wir die Ozonschicht retten konnten, können wir auch das Klima stabilisieren.
KI rettet die Tonne – Die neue Intelligenz im Müll
Abfall wird 2026 endgültig zum Rohstofflager. Dank neuer Sortieranlagen mit künstlicher Intelligenz (KI), etwa von Marktführern wie Tomra, erreichen wir heute Sortenreinheiten von über 95 %. Gepaart mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) entsteht ein neuer Markt: Recyceltes Material ist nun so begehrt, dass es sich ökonomisch lohnt, nichts mehr wegzuwerfen. Wir hören auf, die Erde nach neuem Öl für Plastik anzubohren, weil wir lernen, das zu nutzen, was wir schon haben.
Stille Städte – Klimaschutz als Balsam für die Ohren
Die Europäische Umweltagentur (EEA) misst in Städten mit hoher E-Mobilitätsquote einen deutlichen Rückgang des Lärmstresses. Lärm ist nicht nur lästig, er ist ein Stressfaktor, der messbar Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördert. Die „Silent Cities“ von 2026 zeigen uns, dass Klimaschutz keine abstrakte Pflicht ist, sondern eine unmittelbare Heilung unserer Lebensumwelt. Wir gewinnen eine Stadt zurück, in der man wieder Vogelstimmen hört und nachts bei offenem Fenster schlafen kann.
Fazit: Hoffnung als Disziplin
Diese Nachrichten des Februars 2026 sind keine Einladung zum Wegsehen oder zum ruhigen Weiterdösen. Die Klimakrise bleibt die größte Herausforderung unserer Spezies. Sich einlullen mit dem Kopf im Sand - wäre falsch, genauso wie Resignation. Resignation ist eine Form der Arroganz – sie behauptet zu wissen, dass alles verloren ist, während Millionen von Menschen weltweit gerade das Gegenteil beweisen.
Hoffnung ist keine Emotion, die uns zufällig überkommt; sie ist eine bewusste Entscheidung, die auf Fakten basiert. Wenn die Sonne die billigste Energiequelle ist, wenn Europa die Kohle hinter sich lässt und wenn die Weltmeere endlich eine Stimme bekommen, dann sind das keine Zufälle. Es sind die Früchte von Jahrzehnten harter Arbeit. Bleiben wir also nachdenklich, bleiben wir kritisch, aber vor allem: Bleiben wir aktiv. Die Welt wird nicht gerettet, indem wir verzweifeln, sondern indem wir die begonnene Wende mit aller Kraft weiter voran treiben.






Der graph zeigt ja nur Elektrizität und nicht die gesamte verbrauchte Energie die z.B. auch Transport und Industrielle Hitze beinhaltet. Also ja wow 30% des Stroms der 40% des gesamten Energieverbrauchs darstellt ist "erneuerbar". Und das ist ja der einfache part, desto mehr gas durch variable Erneuerbare ersetzt wird, desto schwieriger wird das Speicherproblem. Und wenn du dich so gut auskennst mit den ökologischen Krisen, was meinst du zu der Zukunft der globalen Kupferproduktion, dem wichtigsten Material für die grüne Transformation? Die letzten 20Jahre hat sich die Güte der Kupferreserven die wir abbauen halbiert, was die Energiekosten mehr als verdoppelt. Wissenschaftliche paper prognostizieren Peak Copper in den kommenden Jahren. Hier ein Bergbau Milliardär dazu https://youtu.be/Q5hnwooyKVk?si=-ahSEUsyrREpLBy1
All das ist auch seit mindestens 50 Jahren bekannt, als Limits to Growth, deren BAU szenario sehr gut mit der echten Welt trackt und industriellen output ab Mitte der 2020er abfallen sieht. DE industrieller output ist seit 2019 ja auch schon um 25% gefallen.